english  Français  dansk
Español  Nederlands  Italiano
Please select your language!



Pfadfinder...


Bei Problemen mit dieser Seite wenden Sie sich bitte an den Webmaster

Online seit: 06.11.98

   

Geschichtliches zur Rad- / Wanderregion Friesland und umzu

Grüße | Sprache | Sport | Wetter | Eten un drinken | Schutz vor dem Meer |
Nationalpark | Jadebusen | Jever | Wilhelmshaven | Friesische Wehde |
Varel | Varelerhafen | Dangast | Bockhorn | Zetel | Neuenburg


Friesland bezeichnet einen Landkreis (Autokennzeichen FRI), aber auch das gesamte Gebiet, in dem Friesen wohnen - fast von Amsterdam bis zur dänischen Grenze. Wir befinden uns auf der ostfriesischen Halbinsel, die sich vom Dollart bis zum Jadebusen erstreckt. Der Landkreis Friesland - wo wir Zuhause sind - ist der östliche Teil dieser Halbinsel.
Felsen, Gebirgsbäche und Almen werden Sie bei uns vergeblich suchen. Auch werden Sie keine gotischen Kathedralen oder Rokoko-Schlösser finden. Stattdessen werden Sie Deiche, Kanäle, kleine romanische Kirchen, einige Burgen und natürlich viele Windmühlen sehen. Sie werden ein Land sehen, das flach ist - im geologischen, aber bestimmt nicht im kulturhistorischen Sinne. Gerade für Fahrradtouristen bietet die ostfriesische Halbinsel sehr viel Abwechslung. Und wer sich Zeit nimmt, kann einiges entdecken, denn dieses Land und seine Bewohner haben sich gegenseitig geprägt.

Wie es vor 2000 Jahren an der Küste aussah, beschreibt der römische Schriftsteller Plinius ( 23 - 79 n. Chr.):

Dort bewohnt ein beklagenswertes Volk hohe Erdhügel, die nach der Erfahrung, wie hoch die Flut steigt, mit den Händen aufgeworfen sind. In den darauf erbauten Hütten gleichen sie Seefahrern, wenn das Meer das Land herum bedeckt, und Schiffbrüchigen, wenn es zurückgewichen ist. Um die Hütten herum fangen sie Fische, die mit dem Wasser zurückfließen. Es ist ihnen nicht, wie ihren Nachbarn, vergönnt, Vieh zu halten und sich von Milch zu ernähren.

Nun ist Plinius wahrscheinlich nicht selbst an der ostfriesischen Küste gewesen, sondern hat wohl einiges vom Hörensagen übernommen; Ausgrabungen haben erwiesen, dass die Friesen damals sehr wohl Vieh gehalten haben. Dennoch zeigt das Zitat die Verwunderung der Römer darüber, dass es Menschen gab, die unter solchen - den Römern offensichtlich völlig fremden - Bedingungen leben konnten.

Grüße
Wenn Sie bei uns mit dem Fahrrad über Land fahren, werden Sie oft gegrüßt werden. Das ist hier noch so: man grüßt. Natürlich nicht mit "Guten Tag". Auch plattdeutsch "goeden dag" hört man nicht oft. Man sagt "Moin" oder, redseliger, "Moin Moin". Das hat nichts mit „Morgen" zu tun, sondern stammt vom niederländischen „mooien dag" = „schönen Tag". Mooi übrigens stammt wahrscheinlich aus dem spanischen, wie „muy bien". Zurück gegrüßt wird natürlich auch mit "Moin".
nach Oben

Friesische Sprache
Sprache in Friesland war natürlich friesisch. In der niederländischen Provinz Friesland (friesisch: Fryslan) ist es heute wieder Amtssprache mit etwa 400.000 Sprechern, an der schleswigschen Westküste sowie Helgoland wird es noch von etwa 10.000 Menschen gesprochen, im oldenburgischen Saterland vielleicht noch von 1.000 Menschen. In Ostfriesland und Groningen wurde es seit etwa 1550 langsam durch das Plattdeutsche ersetzt. Einige friesische Sprachinseln ( Wangerooge, Wangerland) hielten sich noch bis in unser Jahrhundert. Im ostfriesischen Platt haben sich auch viele Wörter aus dem friesischen - und aus dem niederländischen - erhalten. Heute sind Ostfriesland, Oldenburg und Emsland Hochburgen des Plattdeutschen - für die meisten Menschen auf dem Lande immer noch Muttersprache. Daher auch so plattdeutsche Konstruktionen im hochdeutschen wie "Friesland und umzu". Weiter südlich sagt man dafür „Rund um Friesland".
nach Oben

Sport in Friesland
Natürlich treibt man in Friesland Sport wie andernorts, Fußball kennt man hier auch. Heimisch sind hier vor allem das Schleuderballwerfen, das Klootscheeten und das Boßeln. Bei letzterem geht es darum, eine schwere Holzkugel (kann auch aus Kunststoff sein) möglichst weit zu werfen; beim Klootscheeten auf der (Eis-) Bahn, beim Boßeln auf der Straße. Beides sind nicht nur ostfriesische, sondern gemein-friesisch-oldenburgische Sportarten. Wenn Sie in der kälteren Jahreszeit bei uns unterwegs sind, werden Ihnen häufig Boßelgruppen begegnen. Selbstverständlich ist Boßeln viel wichtiger als Straßenverkehr, sogar wichtiger als Radfahren. Warten Sie doch eben - und sagen Sie "Moin".
nach Oben

Das Wetter
Das Wetter ist meistens gut. Unser Land gilt gemeinhin als Regen-Ecke. Falsch, falsch: nach der langjährigen Wetterstatistik ist (Ost-) Friesland eine der trockeneren Gegenden. Das meiste Wasser bleibt wohl über der Nordsee. Trotzdem, wer könnte das besser wissen als wir, es regnet immer dann, wenn Sie eine Radtour machen. Packen Sie Ihr Regenzeug ein, dann bleibt es trocken. Im übrigen herrscht hier oben meist (Nord-) Westwind, außer Sie radeln gerade nach (Süd-) Osten.
nach Oben

Eten un drinken
Dass (Ost-) Friesen Tee trinken (viel Tee), dürfte sich inzwischen rum gesprochen haben. Die Weltoffenheit eines seefahrenden Volkes hat sicher dazu beigetragen, dass der Tee aus England sich auch in (Ost-) Friesland schnell verbreitete. Dazu kam sicher die schlechte Trinkwasserqualität in der Marsch, die durch Tee, Kluntje und Rahm erträglich wurde.
Tee spielt hier eine wichtige Rolle, hier kann man in (fast) jeder Kneipe Tee bestellen, ohne Plörre zu bekommen. Wenn Sie nicht als Ausländer auffallen wollen, lassen Sie sich doch mal in die Teezeremonie einweihen.

Auch in "Klaren" (z.B. Doornkaat, eigentlich Jenever), oder Kruiden (sehr leckerer Kräuterschnaps) spuckt man hier nicht 'rein. Die bodenständige Küche ist oft eher auf der deftigeren Seite und sehr schmackhaft; vor allem an der Küste natürlich Fisch, Granat und andere Frutti di mare. Durch lange Händler-, Seefahrer- und Seeräuber-Tradition hat auch so manches exotische Gericht hier eine neue Heimat gefunden.
nach Oben

Schutz vor dem Meer
Sei es auch eine Binsenweisheit, gesagt werden muss es: Gott schuf das Meer, der Friese die Küste. Dieser selbstbewusste Spruch enthält mehr als einen Kern Wahrheit. Wohl nur wenige Landschaften der Erde sind so sehr Kulturlandschaft wie die friesische Nordseeküste. Die Geschichte unserer Küste ist die Geschichte eines etwa 2000jährigen Kampfes der Friesen mit der Nordsee - das hat sicherlich auch Auswirkungen auf den friesischen Charakter, z.B. die Sturheit, gehabt.

Nur an wenigen Stellen stößt die "hohe" Geest direkt an die Nordsee und bietet somit eine hochwassergeschützte Küste, so in unserer Gegend bei Dangast. Weitere Geestküsten gibt es bei Cuxhaven-Duhnen und am Gaasterland am Ijsselmeer. An allen anderen Stellen hat das Meer freien Zugang zur Küste. Schon seit Jahrhunderten steigt der Meeresspiegel stetig an. Ebbe und Flut hinterlassen zweimal täglich Schlick und erhöhen so langsam das Land. Das neu angeschlickte Land wird erst zu Watt, amphibisch, zweimal täglich überflutet, salzig. Das Watt gehört zu den dichtest besiedelten Lebensräumen der Erde - besiedelt von Krebsen, Muscheln, Würmern, Kleintieren. In kg Biomasse / m² gemessen, wimmelt das Watt von Leben. Die Nationalparkhäuser an der Küste bieten dazu viele Infos. Wenn Sie Gelegenheit haben, an einer Wattwanderung teilzunehmen, nutzen Sie sie - es macht Spaß, ist gesund und hochinteressant. Gehen Sie aber bitte nie (nie!!!) ohne einen Wattführer hinaus. So schnell wie die Flut kommt, können Sie nicht laufen.

Im Laufe der Jahrhunderte wird das Watt immer höher aufgeschlickt, es wächst langsam über den normalen Meeresspiegel hinaus. Es wird damit zur Marsch, der überaus fruchtbaren Neumarsch. Lange vor Christi Geburt haben sich die ersten Ansiedler, in der Marsch niedergelassen. Häufig genug werden sie nasse Füße bekommen haben, aber der Boden war um ein Mehrfaches fruchtbarer als der gewohnte Geestsand, und so blieben sie. Und nun begann der tägliche Kleinkrieg.

Die Menschen wehrten sich, sie erhöhten einfach ihre Wohnplätze, Humus, Mist, Müll u.v.a.m. wurden aufgeschüttet, die Wurten entstanden. Im Grabungsprofil einer Wurt lässt sich der Anstieg des Meeres nachvollziehen: immer wieder musste die Wurt erhöht werden.

Über 1000 Jahre lebten die Menschen auf ihren Wurten, immer höher liefen die Fluten auf. Auch wurden die tiefergelegenen Weiden und Wischen immer häufiger überschwemmt. Etwa um 1000 n. Chr. Begann man deshalb die Siedlungen durch Ringdeiche zu beschützen. Die erste Erwähnung von Deichen stammt von 950 aus Flandern. Solche Ringdeiche konnte man z.B. in Wilhelmshaven und im Wangerland nachweisen. Durch Verbindung der Ringdeiche entstand schließlich ab 1200 der Goldenen Ring, die geschlossenen Deichlinie an unsere Küste. Immer wieder gab es Rückschläge. Die Nordsee konnte mehrfach große Teile der Marsch überfluten.

Die Fluten rissen tiefe Buchten in die Marsch. Auf anderen Seiten gelang es den Friesen aber auch, der Nordsee wieder Land zu entreißen und einzudeichen. Derartiges Neuland nennt man hier Groden.

Der gewissenhafte Unterhalt der Deiche war natürlich lebensnotwendig. Früher waren die Deiche in Pfänder aufgeteilt, und jeder Bauer war für ein Pfand zuständig. Später wurde Deichbände gegründet, Genossenschaften, die den Deichbau übernahmen. Auch heute, wo der Küstenschutz Landessache ist, ist jeder Bewohner des platten Landes tiefer als 1,5 m über NN Pflichtmitglied im Deichband.

Schnittbild SielJeder neue Groden musste natürlich auch seine Entwässerung bekommen. Da das Land aber nur wenig über, oft auch unter dem Meeresspiegel lag, konnte man nicht einfach ein Loch im Deich lassen. Mann baute deshalb Siele, große hölzerne Tore im Deich, die sich nach außen öffnen können. Das erste Siel Ostfrieslands wurde bereits 1276 erwähnt.

Die Funktionsweise eines Siels ist verblüffend einfach: Das Binnenwasser sammelt sich in Tiefs, - das sind größere, teils natürliche Wasserläufe, die zum Siel führen. Das Siel ist an der Seeseite mit großen hölzernen Toren versehen, die sich zum Meer hin öffnen und auf den Druck des Wassers reagieren. Bei Ebbe drückt das abfließende Binnenwasser die Tore auf, während die Flut sie wieder zurückdrückt.

Heute sind die Siele nicht mehr unbedingt aus Holz, arbeiten aber noch genauso, gut zu sehen in den Sielorten an der Küste. Auch im heutigen Binnenland gibt es Ortsnamen die auf "-siel" enden. Dort muss einmal ein Siel und damit auch ein Deich gewesen sein.

Wie kommt nun aber das Wasser aus den tief gelegenen Gebieten auf Meereshöhe? Das Sietland konnte erst genutzt werden, nachdem, etwa im 14. Jahrh., die Windmühle hier eingeführt wurde. Mit dieser Windenergie konnte Wasser hochgepumpt werden. Eine Mühle ist eben nicht nur zum Kornmahlen da. Im 19. Jahrh. Wurden die Schöpfmühlen meist durch Dampfmaschinen ersetzt, heute werden die Schöpfwerke elektrisch oder durch Dieselmotoren angetrieben. Wie der Deichbau wurde auch die Unterhaltung der Siele, der Gräben und Sieltiefs, genossenschaftlich organisiert. Auch heute ist jeder Grundbesitzer bis weit in die Geest hinauf Pflichtmitglied seiner Sielacht.

Sie sehen: Der Kampf gegen das Meer hat bis heute nicht aufgehört. Nach den schweren Sturmfluten 1962 und 1976 müssen die Deiche erneut erhöht werden. Am Jadebusen zwischen Wilhelmshaven und Dangast können Sie auch heute große Deichbaustellen sehen. Übrigens sind die vielen Schafe, die sie auf den Deichen sehen, auch Deichbauarbeiter. Sie halten nicht nur das Gras kurz, sondern treten mit ihren kleinen Hufen immer wieder den Deichboden fest.
nach Oben

Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer
Wirft man bei Ebbe einen Blick auf das Wattenmeer, so erscheint es einem eher als eine leblose Schlickfläche, denn als weltweit einzigartiger Lebensraum für viele Pflanzen und Tiere. Erst durch das Zusammenspiel einer ganzen Reihe von Faktoren konnte sich das Wattenmeer in seiner heutigen Form bilden. Der Meeresboden fällt in Richtung der offenen See nur leicht ab. Dadurch kann sich hier das sehr feine Material absetzen, was aus dem Binnenland über die Flüsse ständig als feiner Sand und Tonpartikel ins Wattenmeer transportiert wird. Ebbe und Flut mit einem Tidehub von 2 m und mehr legen periodisch weite Bereiche des Wattenmeeres trocken. Der in der Regel landwärts gerichtete Wind trocknet dann die oberste Sandschichten ab und trägt sie zu Dünen zusammen. Diese im Küstenbereich vorgelagerten Sandbänke, Strandwälle und Inseln wirken als natürliche Wellenbrecher, so dass sich das von See und aus dem Binnenland antransportierte Material sich dahinter am Grund absetzten kann. Das Zusammenspiel dieser Kräfte hat jahrtausendlang die Küstenlinie ungehindert gestaltet. Dabei kam es durch den relativen Meeresspiegelanstieg seit der letzten Eiszeit immer wieder zu Landverlusten. Das Wattenmeer erstreckt sich von Den Helder in den Niederlanden bis nach Esbjerg in Dänemark. Etwa 60% dieser bedeutsamen Lebensräume liegen in Deutschland.

Vom gebotenen Nahrungsreichtum der Watten profitieren viele Tierarten, die sich nur zeitweise auf den Wattflächen aufhalten. So ist das Wattenmeer im Winterhalbjahr Rast- und Nahrungsgebiet für ca. 3 Millionen Vögel aus Nordeuropa. Hier legen sie ihre Fettreserven zu, die sie für den Rückflug in die Brutgebiete und für die Fortpflanzung benötigen. Von der gesamten Nordsee macht das Wattenmeer flächenmäßig nur etwa 1,5% aus. Jedoch hat es für die Nordsee eine große Bedeutung, z.B. als Kinderstube für viele Fischarten.

In vor Wellengang geschützten Bereichen entwickelt sich in der Nähe des mittleren Tidehochwassers eine Verlandungszone. Diese unterliegt zwar noch dem Einfluss der Gezeiten, wird aber mit Ausnahme von Sturmfluten nur noch bei Hochwasser kurzzeitig überflutet. Als typische Pflanzen siedeln hier der Queller und das Schlickgras. Durch das ablagernde Material in der Verlandungszone erhöht sich dieser Bereich, bis er schließlich oberhalb des mittleren Tidehochwassers liegt und dann nicht mehr täglich überflutet wird. Neben Queller und Schlickgras können sich hier dann auch Pflanzenarten wie der Strandflieder, die Sandaster und das Andelgras ansiedeln und dadurch den Untergrund mit ihren Wurzeln festigen. Auf diese Weise entsteht aus der Verlandungszone der untere Bereich der Salzwiesen. Die Salzwiese ist der Lebensraum für etwa 45 salzresistente Blütenpflanzenarten und etwa 5000 Tierarten, überwiegend Insekten. Etwa 400 Insektenarten sind auf nur 25 Pflanzenarten spezialisiert. So kann der Verlust auch nur einer charakteristischen Pflanzenart schwerwiegende folgen für die Artenvielfalt in der Tierwelt haben. Neben der großen Bedeutung als Lebensraum und Nahrungsquelle für Insekten sind die Salzwiesen Nahrungs-, Rast- und Brutgebiet für viele Seevögel.

Durch die vielfältigen Nutzungen und langjährige Schadstoffeinleitungen ist das Wattenmeer als Lebensraum in vielen Bereichen heute ernsthaft bedroht. Gegenüber dem Zustand vor Inkrafttreten der Nationalparkverordnung am 01.02.2986, als im Wattenmeer einzelne Naturschutzgebiete ausgewiesen waren, bietet der Nationalpark die Möglichkeit, den Naturraum Wattenmeer vor der niedersächsischen Küste nach einheitlichen Kriterien und Zielsetzungen zu schützen. Das Schutzkonzept des Nationalparks "Niedersächsisches Wattenmeer" umfasst drei Zonen, in denen bestimmte Nutzungen (z.B. Fischerei, Landwirtschaft oder Erholungs- und Kurbetrieb) unter Berücksichtigung der Naturschutzbelange erlaubt sind. Die Einrichtung des Nationalparks hat jedoch auf Schadstoffeinträge in die Nordsee keine direkte Auswirkung. Hier sind die Nordseeanrainerstaaten gefordert, Vereinbarungen zu treffen und das Einleiten schädlicher Stoffe einzustellen.
nach Oben

Der Jadebusen
Mit einer Fläche von 160 km² ist der Jadebusen die größte Bucht des Nationalparks "Niedersächsisches Wattenmeer".
Der Jadebusen fällt im ständigen Wechsel von Ebbe und Flut zweimal täglich auf etwa drei Viertel trocken. Der Würdeleher Sand, nordöstlich des Vareler Watts, ist bei Ebbe die wichtigste Ruhebank und der größte Wurf- und Säugeplatz der im Jadebusen lebenden Seehunde.
Ausgedehnte Salzwiesen befinden sich im Westen und Süden des Jadebusens mit Ausnahme des sandigen Küstenabschnitts bei Dangast. Besonders Naturnah sind die Salzwiesen des Cäcilien-Außengrodens, da etwa zwei Drittel der Fläche weder beweidet noch gemäht werden. Außerdem werden in den wattnahen Flächen die Entwässerungsgräben nicht mehr unterhalten, so dass sie sich zu einem mäandernden Prielsystem entwickelt haben. Dadurch konnte sich eine besonders vielfältige Salzwiesenflora entwickeln.
Von Cäciliengroden aus führen zwei Lehrpfade durch den Aussengroden bis zum Watt. Von hier aus können auch sehr gut Vögel beobachtet werden, die in der Salzwiese brüten, wie z.B. Rotschenkel, Austernfischer, und Wiesenpieper. In den Prielen und am Ende des Weges, wo das Schlickwatt beginnt, ist bei Ebbe das für diese Wattform typische "Knistern" zu hören, das von den Schlickkrebsen verursacht wird.

Neben seinen Salzwiesen und den Wattflächen hat der Jadebusen zwei Besonderheiten zu bieten:
das "Schwimmende Moor" bei Sehestedt an der Ostküste und den Dangaster Geestrücken.
Die heute noch ca. 10 ha große Moorfläche bei Sehestedt ist das einzige Außendeichsmoor der Welt. Sie ist ein kleiner Rest des hiesigen Hochmoores, das vor den mittelalterlichen Sturmfluten das Gebiet des heutigen Jadebusens bedeckte.
In Dangast grenzen Geest und Meer unmittelbar aneinander. Wegen der hohen Lage des Geländes ist der Schutz des Binnenlandes durch einen Deich hier nicht notwendig. Die steil aufragende Geestkante ist durch eine Steinpflasterung gegen Abbruch durch höhere Wellen gesichert.
nach Oben

Kreisstadt Jever
Die kleine Stadt Jever liegt auf einem flachen Geestrücken aus der Eiszeit. Einst war Jever durch eine Bucht, später durch eine Fahrrinne mit dem Meer verbunden und konnte mit Schiffen erreicht werden. So war es im Mittelalter ein wichtiger Umschlagplatz. Eine urkundliche Erwähnung der Gründung Jevers wurde bisher nicht gefunden, jedoch sind in verschiedenen Ländern rund um die Ostsee jeversche Münzen aus dem 11. / 12. Jahrhundert aufgetaucht. In Jever selbst wurden 1850 rund 5000 römische Silbermünzen geborgen, die um 160 n Chr. Geschlagen worden sind.

Beeinflusst von den Erzbischöfen Bremens, umkämpft von auswärtigen und ostfriesischen Potentaten hat das Jeverland eine wechselvolle Geschichte erlebt. Normannen, Dänen und Oldenburger herrschten hier. Eine herausragende Rolle spielte das legendäre "Fräulein Maria". Mit der Herrschaft Marias (1500 - 1575) kamen über Jever die "goldenen Jahre". 1536 erhielt es die Stadtrechte. In dieser Zeit wurde Jever zur Festung mit Gräben und Wällen ausgebaut. 1556 ließ Maria den Chor der mehrfach zerstörten Steinkirche in eine Grabkapelle umwandeln, in der 1561 - 1564 das bis heute erhaltene Renaissance-Grabmal Edo Wiemkens d.J. aufgestellt wurde. Als Maria von Jever 1575 im Alter von 75 Jahren kinderlos starb, fiel Jever Kraft testamentarischer Verfügung an den Grafen Johann von Oldenburg. Das Jeverland wechselte in den folgenden Jahrhunderten wiederholt seine Herren und Herrinnen. 1667 kam es zu den Fürsten von Anhalt-Zerbst. Das Fürstenhaus Anhalt-Zerbst war mit dem russischen Zarenhof verwandt. So kann Jever auch auf eine Zeit russischer Oberhoheit zurückblicken: Der letzte Fürst von Anhalt-Zerbst war ein Bruder der russischen Kaiserin Katharina II., die ab 1793 Jever ihr Eigentum nannte. Erst 1818 erhielten die Oldenburger Jever zurück. Jever ist heute Verwaltungssitz des oldenburgischen Landkreises Friesland, der das Jeverland mit Wangerland und die Friesische Wehde mit der Stadt Varel umfasst. Die Stadt dient als Versorgungszentrum des weitgehend agrarisch geprägten Umlandes.
nach Oben

Wilhelmshaven
Die Stadt Wilhelmshaven verdankt ihre Gründung einer preußischen Initiative zur Errichtung einer Marineanlage. Im Jahre 1848 bemühte sich Preußen unter dem Oberbefehl von Prinz Adalbert um den Aufbau einer eigenen Flotte. Der Plan eines preußischen Nordseehafens kam der oldenburgischen Staatsregierung aufgrund der angestrebten Verbesserung der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse im nördlichen Teil des Großherzogtums sehr entgegen. Mit dem Abschluss des Jade-Vertrages am 20. Juli 1853 zwischen dem Kaiserreich Preußen und dem Großherzogtum Oldenburg wurde die Abtretung von 313 ha oldenburgischen Gebiets vereinbart. Auf diesem Areal errichtete Preußen einen Marinehafen, der am 17. Juni 1869 von Kaiser Wilhelm I. eingeweiht wurde. Gleichzeitig gab er der um die Marineanlage herum entstandene Siedlung seinen Namen. 1873 wurde Wilhelmshaven um 109 ha vergrößert und erhielt am 4. August des gleichen Jahres die Stadtrechte. Die aus allen preußischen Provinzen heranziehenden Menschen, die sich hier Arbeit erhofften, ließen sich auch in den umliegenden oldenburgischen Dörfern Bant, Heppens und Neuende nieder. Im Jahre 1911 wurden diese Dörfer zur Stadt Rüstringen vereinigt, die schließlich 1937 zur Stadt Wilhelmshaven kam. Die städtische Verwaltung hatte fortan ihren Sitz in dem 1929 für die Stadt Rüstringen errichteten Rathaus. Durch die Eingemeindung weiterer Bezirke im Norden der Stadt wurde Wilhelmshaven 1938 Großstadt. Während des Zweiten Weltkrieges wurden aufgrund der zu erwartenden Luftangriffe neue Stadtteile räumlich voneinander getrennt angelegt. Wilhelmshaven erlebte mehr als 100 Luftangriffe, die etwa zwei Drittel der Stadt zerstörten. Nach dem Zweiten Weltkrieg suchten die Verantwortliche für Wilhelmshaven neue wirtschaftliche Standbeine, die die Stadt künftig eigenständig und unabhängig von militärischen Überlegungen entwickeln sollte. So wurde insbesondere die industrielle Entwicklung forciert. 1957 wurde der Ölhafen gebaut, der nach Rotterdam zugleich größter Tiefwasserhafen Europas ist. Weiterhin gelang es, private Industrieunternehmen anzusiedeln, die aus Mitteldeutschland und den Ostgebieten verlegt wurden. Wilhelmshaven gilt heute als wirtschaftliches und kulturelles Oberzentrum. Doch nach Zusammenbrüchen mehrerer Großbetriebe in den vergangenen Jahren hat die Stadt mit erheblichen wirtschaftlichen und sozialen Problemen zu kämpfen. Die Zukunftsperspektiven liegen nach Ansicht der Verantwortlichen im Hafen- und Wirtschaftsbereich, im Bestand des Marinestandortes, der Entwicklung fortschrittlicher Energietechnologien sowie der Weiterentwicklung der Stadt als Kultur- und Freizeitzentrum an der Nordsee.
nach Oben

Die Friesische Wehde
Die Friesische Wehde bildet den südlichen Teil des Landkreises Friesland, das Gebiet etwa zwischen der Stadt Varel im Osten und der Grenze nach Ostfriesland im Westen - grob gesprochen die Orte Bockhorn, Zetel und Neuenburg samt Umgebung. Im Gegensatz zum Rest des Kreises, weitgehend in der Marsch, liegt die Friesische Wehde auf einem Geestrücken.

Für oldenburgische Verhältnisse machen die Orte geradezu städtischen Eindruck; die Friesische Wehde war schon immer ein Zentrum von Handel und Kleingewebe, sicherlich bedingt durch den Hafen Varel sowie die Lage an der Nahtstelle zwischen der reichen friesischen Marsch und der oldenburgischen Geest. Neuenburg entstand als Grenzfeste (und sicherlich Zollstelle) an einem der wenigen ganzjährig begehbaren Handelswege zwischen Ostfriesland und Oldenburg.

In unserem flachen Land gibt es außer den eiszeitlichen Findlingen keine Natursteine. Man war für den Bau daher auf Holz angewiesen, im waldarmen Ostfriesland knapp und teuer. Die Mönche, die im Mittelalter ihre Klöster bauten, brannten daher ihre eigenen Klinker - heute noch an vielen unserer Kirchen zu sehen. Klinker wurden bald auch für Profanbauten verwendet; praktisch jedes Bauernhaus hier ist aus Klinker, Gulfhäuser gibt es kaum mit Fachwerk. Später wurden auch fast alle Straßen geklinkert - heute meist überasphaltiert.

In der Friesischen Wehde waren also schon immer Dachziegel, Klinker und andere Baumaterialien aus dem reichlich vorhandenen Ton gebrannt worden. Nun blühten die Ziegeleien auf, in jedem Dorf mehrere. Noch heute ist Bockhorn Zentrum der deutschen Ziegel-Industrie.
nach Oben

Varel
Die Stadt Varel war wohl schon in vorchristlicher Zeit ein wichtiger Ort, vermutlich war Varel eine der vier Thingstätten des Gaues Rüstringen, der etwa das Gebiet des heutigen Jadebusens und Butjadingen umfasste. Später war die Vareler Kirche eine der vier Rüstringer Sendkirchen.

Die Herrschaft Varel kam im 14. Jahrhundert an die Grafschaft Oldenburg, wurde aber 1651 selbstständig unter Anton von Aldenburg, dem unebenbürtigen Sohn des Grafen Anton Günther, wie Oldenburg unter dänischer Oberherrschaft. Später gehörte Varel den Grafen Bentinck. Nach langen Erbfolge Streitigkeiten kam Varel 1854 endgültig an Oldenburg.

Varel ist heute eine geschäftige Kleinstadt mit einer netten Fußgängerzone. Besonders sehenswert ist die Schlosskirche mit der Innenausstattung von Ludwig Münstermann. Das Vareler Schloss wurde leider nach mehreren Bränden, bei denen auch die unersetzliche Bibliothek verloren ging, abgebrochen. An seiner Stelle steht das neogotische Amtsgericht von 1871.

Ein Kleinod ist das barocke Waisenhaus von 1671, eine Stiftung des Anton von Aldenburg. Auch heute noch dient es als Kinderheim.
nach Oben

Varelerhafen
Als das Gebiet nach dem Tode des oldenburgischen Grafen Anton Günther an Dänemark fiel, musste natürlich ein Hafen her. Ab 1681 wurde daher in Fronarbeit ein Hafen am Jadebusen mit einer Burg gebaut. Das ganze war eine Fehlplanung, der Hafen war schnell verschlickt und musste aufgegeben werden. 1694 wurde der ganze Ramsch auf Abbruch verkauft. Das Holz der "Christiansburg" fand u.a. sinnvolle Verwendung bei der Restaurierung der Kirche St. Ulrich zu Rastede; einige Wälle der Festung sind noch heute zu erkennen.

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich der Vareler Hafen zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor. Später verfiel der Handel, wie in vielen anderen Sielhäfen, zugunsten der Häfen an Weser und Elbe. 1977 wurde die neue Seeschleuse gebaut, die Wilhelm-Kamman-Schleuse (vom Deich toller Blick über den Jadebusen). Varelerhafen ist noch immer Seehafen, wichtig geblieben ist zum einen die Funktion als Sportboothafen und die verbliebenen Fischkutter. Noch immer wird hier Fisch angelandet. Sie können hier frisch vom Kutter Fisch oder Granat einkaufen, sehr zu empfehlen.

An der Straße, die von Varelerhafen nach Hohenberge führt, finden Sie die Kolonie Neu-Wangerooge, die Häuser entstanden ab 1855 für die von der Sturmflut vertriebenen Wangerooger Fischer. Daher wurde in Neu-Wangerooge bis etwa zur Jahrhundertwende friesisch gesprochen.
nach Oben

Dangast
Dangast, heute ein Stadtteil Varels, war früher ein eigenes Kirchendorf nördlich des heutigen Deiches. Wohl in der Marcellusflut 1362 wurde es zerstört. Übrig blieb nur der hohe Geestrücken, die einzige Stelle im Weser-Ems-Raum, an der die Geest direkt ans Meer grenzt.
Auch heute noch ist ein Deich hier nicht nötig. Dangast war der erste Badeort an der deutschen Nordseeküste, 1779 von Graf Bentinck als Seebad gegründet. Heute ist Dangast vor allem Ausflugsziel der Binnenländer, durch seine Lage am südlichen Ende des Jadebusens schnell zu erreichen.

Zwischen den Weltkriegen wurde Dangast Künstler-Kolonie; hier lebten u.a. die Künstler der "Brücke", z.B. Pechstein, Schmidt-Rottluff und Heckel. An diese Zeit erinnert heute das Franz-Radziwill-Haus, in dem der Künstler von 1923 - 1983 lebte und das heute einen bedeutenden Teil seines Werkes ausstellt. Sehenswert ist auch das Nationalpark Haus.
nach Oben

Bockhorn
Bockhorn war früher ein wichtiger Marktort auf der Geest an der Friesischen Heerstraße. Über das Bockhorner Tief besaß es Verbindungen mit dem offenen Meer. Sehenswert das Ortszentrum, u.a. das Barockportal des Kaufmannshauses Becker und die Kirche St. Cosmas & Damian aus dem 14. Jahrhundert.

Zwischen Bockhorn und Neuenburg liegt der Neuenburger Urwald. Schon lange war Bockhorn Hochburg der friesischen Ziegelindustrie. "Bockhorner Klinker" hatten (und haben) einen besonders guten Ruf wegen seiner Härte. Wenn Sie etwas Zeit übrig haben, ist das Ziegelei-Info-Zentrum durchaus einen Besuch wert.
nach Oben

Zetel
Zetel war Jahrhunderte lang Zankapfel zwischen Oldenburg und Ostfriesland und kam schließlich im Frieden von Zetel 1517 endgültig an die Grafschaft Oldenburg. Zetel bietet ein wirklich sehenswertes Ortsbild. Bürgerhäuser aus mehreren Stilepochen prägen den Ort, so das barocke (1787), giebelständige Haus Neuenburger Str. 7. Das Haus gehörte früher einem Tuchhändler und Blaufärber - Zetel war Hochburg der Textilverarbeitung. Kirche St. Martin von ca. 1250.
nach Oben

Neuenburg
1462 ließ Graf Gerd von Oldenburg die Neuenburg als Grenzfestung gegen die Ostfriesen errichten. Die empörten Ostfriesen zerstörten die Burg schon bald. Erst gegen Ende des 16. Jahrhunderts konnte Graf Johann VII die Burg wieder aufbauen lassen. Im 18. Jahrhundert wird die fast zerfallene Burg mehrfach umgebaut und als Landgericht genutzt, zeitweise auch als gräfliche Datsche und ‘Witwensitz’. Später diente das Schloss als Schulgebäude und als Dorfgemeinschaftshaus, heute beherbergt es u.a. das Heimatmuseum und einen Kindergarten.

Gleich neben dem Schloss finden Sie übrigens das Freilichtmuseum "Alte Rauchkate" mit einigen historischen Nebengebäuden und nur wenige Schritte weiter den "Alte Bahnhof".
nach Oben



»Alte Schule« Pfadfinderbildungsstätte Weser-Ems e.V.
www.pfadfinderbildungsstaette.de