Pfadfinder... Bei Problemen mit dieser Seite wenden Sie sich bitte an den Webmaster Online seit: 06.11.98 |
Geschichtliches zur Rad- / Wanderregion Friesland und umzuGrüße
| Sprache | Sport | Wetter | Eten un drinken | Schutz
vor dem Meer | Friesland
bezeichnet einen Landkreis (Autokennzeichen FRI), aber auch das gesamte Gebiet, in dem
Friesen wohnen - fast von Amsterdam bis zur dänischen Grenze. Wir befinden uns auf der
ostfriesischen Halbinsel, die sich vom Dollart bis zum Jadebusen erstreckt. Der Landkreis
Friesland - wo wir Zuhause sind - ist der östliche Teil dieser Halbinsel. Wie es vor 2000 Jahren an der Küste aussah, beschreibt der römische Schriftsteller Plinius ( 23 - 79 n. Chr.): Dort bewohnt ein beklagenswertes Volk hohe Erdhügel, die nach der Erfahrung, wie hoch die Flut steigt, mit den Händen aufgeworfen sind. In den darauf erbauten Hütten gleichen sie Seefahrern, wenn das Meer das Land herum bedeckt, und Schiffbrüchigen, wenn es zurückgewichen ist. Um die Hütten herum fangen sie Fische, die mit dem Wasser zurückfließen. Es ist ihnen nicht, wie ihren Nachbarn, vergönnt, Vieh zu halten und sich von Milch zu ernähren. Nun ist Plinius wahrscheinlich nicht selbst an der ostfriesischen Küste gewesen, sondern hat wohl einiges vom Hörensagen übernommen; Ausgrabungen haben erwiesen, dass die Friesen damals sehr wohl Vieh gehalten haben. Dennoch zeigt das Zitat die Verwunderung der Römer darüber, dass es Menschen gab, die unter solchen - den Römern offensichtlich völlig fremden - Bedingungen leben konnten.
Auch in "Klaren" (z.B. Doornkaat,
eigentlich Jenever), oder Kruiden (sehr leckerer Kräuterschnaps) spuckt man hier nicht
'rein. Die bodenständige Küche ist oft eher auf der deftigeren Seite und sehr
schmackhaft; vor allem an der Küste natürlich Fisch, Granat und andere Frutti di mare.
Durch lange Händler-, Seefahrer- und Seeräuber-Tradition hat auch so manches exotische
Gericht hier eine neue Heimat gefunden.
Nur an wenigen Stellen stößt die "hohe" Geest direkt an die Nordsee und bietet somit eine hochwassergeschützte Küste, so in unserer Gegend bei Dangast. Weitere Geestküsten gibt es bei Cuxhaven-Duhnen und am Gaasterland am Ijsselmeer. An allen anderen Stellen hat das Meer freien Zugang zur Küste. Schon seit Jahrhunderten steigt der Meeresspiegel stetig an. Ebbe und Flut hinterlassen zweimal täglich Schlick und erhöhen so langsam das Land. Das neu angeschlickte Land wird erst zu Watt, amphibisch, zweimal täglich überflutet, salzig. Das Watt gehört zu den dichtest besiedelten Lebensräumen der Erde - besiedelt von Krebsen, Muscheln, Würmern, Kleintieren. In kg Biomasse / m² gemessen, wimmelt das Watt von Leben. Die Nationalparkhäuser an der Küste bieten dazu viele Infos. Wenn Sie Gelegenheit haben, an einer Wattwanderung teilzunehmen, nutzen Sie sie - es macht Spaß, ist gesund und hochinteressant. Gehen Sie aber bitte nie (nie!!!) ohne einen Wattführer hinaus. So schnell wie die Flut kommt, können Sie nicht laufen. Im Laufe der Jahrhunderte wird das Watt immer höher aufgeschlickt, es wächst langsam über den normalen Meeresspiegel hinaus. Es wird damit zur Marsch, der überaus fruchtbaren Neumarsch. Lange vor Christi Geburt haben sich die ersten Ansiedler, in der Marsch niedergelassen. Häufig genug werden sie nasse Füße bekommen haben, aber der Boden war um ein Mehrfaches fruchtbarer als der gewohnte Geestsand, und so blieben sie. Und nun begann der tägliche Kleinkrieg. Die Menschen wehrten sich, sie erhöhten einfach ihre Wohnplätze, Humus, Mist, Müll u.v.a.m. wurden aufgeschüttet, die Wurten entstanden. Im Grabungsprofil einer Wurt lässt sich der Anstieg des Meeres nachvollziehen: immer wieder musste die Wurt erhöht werden. Über 1000 Jahre lebten die Menschen auf ihren Wurten, immer höher liefen die Fluten auf. Auch wurden die tiefergelegenen Weiden und Wischen immer häufiger überschwemmt. Etwa um 1000 n. Chr. Begann man deshalb die Siedlungen durch Ringdeiche zu beschützen. Die erste Erwähnung von Deichen stammt von 950 aus Flandern. Solche Ringdeiche konnte man z.B. in Wilhelmshaven und im Wangerland nachweisen. Durch Verbindung der Ringdeiche entstand schließlich ab 1200 der Goldenen Ring, die geschlossenen Deichlinie an unsere Küste. Immer wieder gab es Rückschläge. Die Nordsee konnte mehrfach große Teile der Marsch überfluten. Die Fluten rissen tiefe Buchten in die Marsch. Auf anderen Seiten gelang es den Friesen aber auch, der Nordsee wieder Land zu entreißen und einzudeichen. Derartiges Neuland nennt man hier Groden. Der gewissenhafte Unterhalt der Deiche war natürlich lebensnotwendig. Früher waren die Deiche in Pfänder aufgeteilt, und jeder Bauer war für ein Pfand zuständig. Später wurde Deichbände gegründet, Genossenschaften, die den Deichbau übernahmen. Auch heute, wo der Küstenschutz Landessache ist, ist jeder Bewohner des platten Landes tiefer als 1,5 m über NN Pflichtmitglied im Deichband.
Die Funktionsweise eines Siels ist verblüffend einfach: Das Binnenwasser sammelt sich in Tiefs, - das sind größere, teils natürliche Wasserläufe, die zum Siel führen. Das Siel ist an der Seeseite mit großen hölzernen Toren versehen, die sich zum Meer hin öffnen und auf den Druck des Wassers reagieren. Bei Ebbe drückt das abfließende Binnenwasser die Tore auf, während die Flut sie wieder zurückdrückt. Heute sind die Siele nicht mehr unbedingt aus Holz, arbeiten aber noch genauso, gut zu sehen in den Sielorten an der Küste. Auch im heutigen Binnenland gibt es Ortsnamen die auf "-siel" enden. Dort muss einmal ein Siel und damit auch ein Deich gewesen sein. Wie kommt nun aber das Wasser aus den tief gelegenen Gebieten auf Meereshöhe? Das Sietland konnte erst genutzt werden, nachdem, etwa im 14. Jahrh., die Windmühle hier eingeführt wurde. Mit dieser Windenergie konnte Wasser hochgepumpt werden. Eine Mühle ist eben nicht nur zum Kornmahlen da. Im 19. Jahrh. Wurden die Schöpfmühlen meist durch Dampfmaschinen ersetzt, heute werden die Schöpfwerke elektrisch oder durch Dieselmotoren angetrieben. Wie der Deichbau wurde auch die Unterhaltung der Siele, der Gräben und Sieltiefs, genossenschaftlich organisiert. Auch heute ist jeder Grundbesitzer bis weit in die Geest hinauf Pflichtmitglied seiner Sielacht. Sie sehen: Der Kampf gegen das Meer hat bis heute
nicht aufgehört. Nach den schweren Sturmfluten 1962 und 1976 müssen die Deiche erneut
erhöht werden. Am Jadebusen zwischen Wilhelmshaven und Dangast können Sie auch heute
große Deichbaustellen sehen. Übrigens sind die vielen Schafe, die sie auf den Deichen
sehen, auch Deichbauarbeiter. Sie halten nicht nur das Gras kurz, sondern treten mit ihren
kleinen Hufen immer wieder den Deichboden fest.
Vom gebotenen Nahrungsreichtum der Watten profitieren viele Tierarten, die sich nur zeitweise auf den Wattflächen aufhalten. So ist das Wattenmeer im Winterhalbjahr Rast- und Nahrungsgebiet für ca. 3 Millionen Vögel aus Nordeuropa. Hier legen sie ihre Fettreserven zu, die sie für den Rückflug in die Brutgebiete und für die Fortpflanzung benötigen. Von der gesamten Nordsee macht das Wattenmeer flächenmäßig nur etwa 1,5% aus. Jedoch hat es für die Nordsee eine große Bedeutung, z.B. als Kinderstube für viele Fischarten. In vor Wellengang geschützten Bereichen entwickelt sich in der Nähe des mittleren Tidehochwassers eine Verlandungszone. Diese unterliegt zwar noch dem Einfluss der Gezeiten, wird aber mit Ausnahme von Sturmfluten nur noch bei Hochwasser kurzzeitig überflutet. Als typische Pflanzen siedeln hier der Queller und das Schlickgras. Durch das ablagernde Material in der Verlandungszone erhöht sich dieser Bereich, bis er schließlich oberhalb des mittleren Tidehochwassers liegt und dann nicht mehr täglich überflutet wird. Neben Queller und Schlickgras können sich hier dann auch Pflanzenarten wie der Strandflieder, die Sandaster und das Andelgras ansiedeln und dadurch den Untergrund mit ihren Wurzeln festigen. Auf diese Weise entsteht aus der Verlandungszone der untere Bereich der Salzwiesen. Die Salzwiese ist der Lebensraum für etwa 45 salzresistente Blütenpflanzenarten und etwa 5000 Tierarten, überwiegend Insekten. Etwa 400 Insektenarten sind auf nur 25 Pflanzenarten spezialisiert. So kann der Verlust auch nur einer charakteristischen Pflanzenart schwerwiegende folgen für die Artenvielfalt in der Tierwelt haben. Neben der großen Bedeutung als Lebensraum und Nahrungsquelle für Insekten sind die Salzwiesen Nahrungs-, Rast- und Brutgebiet für viele Seevögel. Durch die vielfältigen Nutzungen und langjährige
Schadstoffeinleitungen ist das Wattenmeer als Lebensraum in vielen Bereichen heute
ernsthaft bedroht. Gegenüber dem Zustand vor Inkrafttreten der Nationalparkverordnung am
01.02.2986, als im Wattenmeer einzelne Naturschutzgebiete ausgewiesen waren, bietet der
Nationalpark die Möglichkeit, den Naturraum Wattenmeer vor der niedersächsischen Küste
nach einheitlichen Kriterien und Zielsetzungen zu schützen. Das Schutzkonzept des
Nationalparks "Niedersächsisches Wattenmeer" umfasst drei Zonen, in denen
bestimmte Nutzungen (z.B. Fischerei, Landwirtschaft oder Erholungs- und Kurbetrieb) unter
Berücksichtigung der Naturschutzbelange erlaubt sind. Die Einrichtung des Nationalparks
hat jedoch auf Schadstoffeinträge in die Nordsee keine direkte Auswirkung. Hier sind die
Nordseeanrainerstaaten gefordert, Vereinbarungen zu treffen und das Einleiten schädlicher
Stoffe einzustellen.
Neben seinen Salzwiesen und den Wattflächen hat der
Jadebusen zwei Besonderheiten zu bieten:
Beeinflusst von den Erzbischöfen Bremens, umkämpft
von auswärtigen und ostfriesischen Potentaten hat das Jeverland eine wechselvolle
Geschichte erlebt. Normannen, Dänen und Oldenburger herrschten hier. Eine herausragende
Rolle spielte das legendäre "Fräulein Maria". Mit der Herrschaft Marias (1500
- 1575) kamen über Jever die "goldenen Jahre". 1536 erhielt es die Stadtrechte.
In dieser Zeit wurde Jever zur Festung mit Gräben und Wällen ausgebaut. 1556 ließ Maria den Chor der mehrfach zerstörten Steinkirche in eine Grabkapelle umwandeln, in der 1561 -
1564 das bis heute erhaltene Renaissance-Grabmal Edo Wiemkens d.J. aufgestellt wurde. Als
Maria von Jever 1575 im Alter von 75 Jahren kinderlos starb, fiel Jever Kraft
testamentarischer Verfügung an den Grafen Johann von Oldenburg. Das Jeverland wechselte
in den folgenden Jahrhunderten wiederholt seine Herren und Herrinnen. 1667 kam es zu den
Fürsten von Anhalt-Zerbst. Das Fürstenhaus Anhalt-Zerbst war mit dem russischen Zarenhof
verwandt. So kann Jever auch auf eine Zeit russischer Oberhoheit zurückblicken: Der
letzte Fürst von Anhalt-Zerbst war ein Bruder der russischen Kaiserin Katharina II., die
ab 1793 Jever ihr Eigentum nannte. Erst 1818 erhielten die Oldenburger Jever zurück.
Jever ist heute Verwaltungssitz des oldenburgischen Landkreises Friesland, der das
Jeverland mit Wangerland und die Friesische Wehde mit der Stadt Varel umfasst. Die Stadt
dient als Versorgungszentrum des weitgehend agrarisch geprägten Umlandes.
Für oldenburgische Verhältnisse machen die Orte geradezu städtischen Eindruck; die Friesische Wehde war schon immer ein Zentrum von Handel und Kleingewebe, sicherlich bedingt durch den Hafen Varel sowie die Lage an der Nahtstelle zwischen der reichen friesischen Marsch und der oldenburgischen Geest. Neuenburg entstand als Grenzfeste (und sicherlich Zollstelle) an einem der wenigen ganzjährig begehbaren Handelswege zwischen Ostfriesland und Oldenburg. In unserem flachen Land gibt es außer den eiszeitlichen Findlingen keine Natursteine. Man war für den Bau daher auf Holz angewiesen, im waldarmen Ostfriesland knapp und teuer. Die Mönche, die im Mittelalter ihre Klöster bauten, brannten daher ihre eigenen Klinker - heute noch an vielen unserer Kirchen zu sehen. Klinker wurden bald auch für Profanbauten verwendet; praktisch jedes Bauernhaus hier ist aus Klinker, Gulfhäuser gibt es kaum mit Fachwerk. Später wurden auch fast alle Straßen geklinkert - heute meist überasphaltiert. In der Friesischen Wehde waren also schon immer
Dachziegel, Klinker und andere Baumaterialien aus dem reichlich vorhandenen Ton gebrannt
worden. Nun blühten die Ziegeleien auf, in jedem Dorf mehrere. Noch heute ist Bockhorn
Zentrum der deutschen Ziegel-Industrie.
Die Herrschaft Varel kam im 14. Jahrhundert an die Grafschaft Oldenburg, wurde aber 1651 selbstständig unter Anton von Aldenburg, dem unebenbürtigen Sohn des Grafen Anton Günther, wie Oldenburg unter dänischer Oberherrschaft. Später gehörte Varel den Grafen Bentinck. Nach langen Erbfolge Streitigkeiten kam Varel 1854 endgültig an Oldenburg. Varel ist heute eine geschäftige Kleinstadt mit einer netten Fußgängerzone. Besonders sehenswert ist die Schlosskirche mit der Innenausstattung von Ludwig Münstermann. Das Vareler Schloss wurde leider nach mehreren Bränden, bei denen auch die unersetzliche Bibliothek verloren ging, abgebrochen. An seiner Stelle steht das neogotische Amtsgericht von 1871. Ein Kleinod ist das barocke Waisenhaus von 1671,
eine Stiftung des Anton von Aldenburg. Auch heute noch dient es als Kinderheim.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich der Vareler Hafen zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor. Später verfiel der Handel, wie in vielen anderen Sielhäfen, zugunsten der Häfen an Weser und Elbe. 1977 wurde die neue Seeschleuse gebaut, die Wilhelm-Kamman-Schleuse (vom Deich toller Blick über den Jadebusen). Varelerhafen ist noch immer Seehafen, wichtig geblieben ist zum einen die Funktion als Sportboothafen und die verbliebenen Fischkutter. Noch immer wird hier Fisch angelandet. Sie können hier frisch vom Kutter Fisch oder Granat einkaufen, sehr zu empfehlen. An der Straße, die von Varelerhafen nach Hohenberge
führt, finden Sie die Kolonie Neu-Wangerooge, die Häuser entstanden ab 1855 für die von
der Sturmflut vertriebenen Wangerooger Fischer. Daher wurde in Neu-Wangerooge bis etwa zur
Jahrhundertwende friesisch gesprochen.
Zwischen den Weltkriegen wurde Dangast
Künstler-Kolonie; hier lebten u.a. die Künstler der "Brücke", z.B. Pechstein,
Schmidt-Rottluff und Heckel. An diese Zeit erinnert heute das Franz-Radziwill-Haus, in dem
der Künstler von 1923 - 1983 lebte und das heute einen bedeutenden Teil seines Werkes
ausstellt. Sehenswert ist auch das Nationalpark Haus.
Zwischen Bockhorn und Neuenburg liegt der
Neuenburger Urwald. Schon lange war Bockhorn Hochburg der friesischen Ziegelindustrie.
"Bockhorner Klinker" hatten (und haben) einen besonders guten Ruf wegen seiner
Härte. Wenn Sie etwas Zeit übrig haben, ist das Ziegelei-Info-Zentrum durchaus einen
Besuch wert.
Gleich neben dem Schloss finden Sie übrigens das
Freilichtmuseum "Alte Rauchkate" mit einigen historischen Nebengebäuden und nur
wenige Schritte weiter den "Alte Bahnhof". »Alte Schule« Pfadfinderbildungsstätte
Weser-Ems e.V. |